Die Herm. Otto Wendt Cigarrenfabrik

Die Firma „Herm. Otto Wendt Cigarrenfabrik“, wurde am 5. April 1875 im Handelsregister eingetragen mit Sitz in der Horner Str. 113-115, Östliche Vorstadt. Die Fabrik befand sich in Hemelingen, damals der Provinz Hannover angehörig. Der Grund hierfür war, dass Bremen noch nicht dem Deutschen Zollverein angeschlossen war und durch die Auslagerung der Fabrik somit Zollgebühren gespart wurden. So befanden sich im Jahr 1871 24 Zigarrenmanufakturen in Hemelingen. (aus „Hastedt eine Geschichte in Bildern“ von Diethelm Knauf)

„Wendts Cigarrenfabriken“ stellten sogenannte Patent-Rauchtabake und Patent-Zigaretten her, aber auch reguläre Sumatra-und Brasil-Zigarren und Zigarillos, deren Absatz im Inland durch ein gut ausgebautes Vertreternetz unterhalten wurde, während die nicht unerhebliche Ausfuhr teils durch direkte Auslandsbeziehungen, teils durch Exportfirmen erfolgte“. (aus „Tabak Bremen-Bahia bis 1930 von Renate Niemann 2002)

In einer Werbebroschüre der Firma Herm. Otto Wendt von 1903 wird für einen „gesundheitlichen Rauchgenuss“ mit der Patent-Cigarre geworben. Ein Prof. Dr. H. Thoms, Berlin und ein Prof. Dr. Gerold aus Halle sollen ein Verfahren entwickelt haben, in dem das Nicotin chemisch gebunden wird, sowie auch der Schwefelwasserstoff und Ammoniak.

Zitat aus der „Deutschen medizinischen Presse“ No. 16 Jahrgang 1897:

„Nachdem diese Erfindung nach allen Richtungen eingehend geprüft war und sich in jeder Beziehung als vollkommen erwiesen hatte, überliess der Geh. Hofrat Professor Dr. Gerold die Anwendung des Verfahrens der allen deutschen Rauchern wohlbekannten Firma Herm. Otto Wendt, Cigarrenfabriken in Bremen. Diese Fabrikate, ausschliesslich aus feinen überseeischen Tabaken hergestellt, welche als „Wendt’s Patent-Cigarren“ das besondere Interesse der medizinischen Welt erregen, haben schnell den Markt erobert und dürfen als die Cigarren der Zukunft bezeichnet werden.“

Eine zweite Fabrik wurde in Eichsfelde 1903 errichtet, wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Firma wurde aufgrund der guten Geschäftslage am 24. März 1904 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Hermann Otto Wendt hatte inzwischen die ehrenvolle Auszeichnung Commerzienrat in Bremen erworben. Die Aktionäre und Aufsichtsrat waren:

  • Reinhold Elfeldt (Vater von Marianne Wendt, geb. Elfeldt)
  • Lüllmann
  • Commerzienrat Hermann Otto Wendt
  • Rudolf Degener (Schwager von R. Elfeldt)
  • Bernhard Loose & Co, Bremen

Mit Einbruch des Ersten Weltkriegs ist die gute Ertragslage und Expansion der Firma vorbei. Jedoch überlebt die Firma den Krieg.

Am 20. November 1920 verstarb der Firmengründer Hermann Otto Wendt. Die Firma wurde von Heinrich Oesterhaus  und F.W. Tönges übernommen. Sie behielt ihren Namen und blieb eine Aktiengesellschaft. Die im Vorjahr gegründete Hans-Wendt-Stiftung bedenkt Hermann Otto Wendt großzügig in seinem Vermächtnis: Sie erbt Immobilien mit vorhandenem Inventar, Aktien, Wertpapiere, ausstehende Forderungen, Grundstücke in Bremen und im „Landgebiet“ in einem Gesamtwert von rund 3 Mio. Außerdem wird die Stiftung Teilhaber der Firma mit 100.000 Mark.

Am 1. April 1925 feiert die Firma ihr 50-jähriges Jubiläum. Die Zeitung berichtet darüber:

„Wendts Cigarrenfabriken, Aktiengesellschaft, Bremen, eine der führenden Firmen in der Zigarrenindustrie, blickt am 01.April auf ein 50-jähriges Bestehen zurück. Hermann Otto Wendt gründete am 1. April 1875 in Bremen die Firma Herm. Otto Wendt, welche sich aus bescheidenen Anfängen heraus zu einem im In- und Auslande geachteten Unternehmen entwickelte. Die Leitung des Unternehmens, welche auch nach der im Jahre 1900 erfolgten Umwandlung in eine Aktiengesellschaft in den Händen des Herrn Geheim Kommerzienrats H.O. Wendt lag, wurde nach dessen Ableben im Jahre 1920 den Direktoren F.W. Tönges und H. Oesterhaus, beides langjährige Prokuristen der Firma, übertragen. Bekanntlich hat Herr Geheimrat Wendt letztwillig das von ihm erworbene Vermögen zur Erinnerung an seinen einzigen früh verstorbenen Sohn zur Hauptsache an die Hans-Wendt-Stiftung übertragen, die Bremer Kindern auf dem Mariannenhof am Lehester Deich eine Erholungsstätte bietet und schon viel Gutes bewirkt hat.“

(Quelle: Archiv, Bremer Handelskammer)

Das weitere Bestehen der Firma sei in kurzen Stichworten festgehalten:

  • Bei Tod von F.W. Tönges 1935 übernimmt Heinrich Oesterhaus allein die Firma.
  • Ab dem 01.11.1946 gibt es einen zweiten Gesellschafter, Herbert v. Düring.
  • Die Geschäftsräume sind seither im Buntentorsteinweg 29. (die erste bekannte Adresse der Firma!)
  • 04.1947: Der Sitz der Fa wird nach Celle verlegt. Die Firma vertreibt nunmehr Strickwaren. Ausstieg Herr Oesterhaus als Gesellschafter. Die Aktiengesellschaft wird aufgelöst.
  • 05.1947: Verlegung der Fa. Nach Peine, Vöhrumer Str. 30
  • 01.1950: Verlegung der Fa nach Bremen, Buntentorsteinweg 29
  • 08.1953: Tod Herbert v. Düring
  • 04.1955: Liquidation der Fa. Herm. Otto Wendt, Tochterfirma Strickwarenherstellung
  • Die Familie hat die Erbschaft ausgeschlagen.

Damit endet die Geschichte der Herm. Otto Wendt Zigarrenfabrik.