Die ersten Jahre

Hermann Otto Wendt stand der Hans-Wendt-Stiftung vor bis zu seinem Tod ein gutes Jahr nach deren Gründung. In einem handgeschriebenen Protokollbuch werden die Entwicklungen und der Aufbau der Kindererholung beschrieben.

Nach dem Tod des Gründers wurde der damalige Bürgermeister von Bremen, Hermann Hildebrand, zum Vorstand ernannt. Dr. Hans Degener-Grischow, der Neffe von Hermann Otto und Marianne Wendt, wurde sein Stellvertreter, sowie als Justiziar der Testamentsvollstrecker von H.O. Wendt. Außerdem gehörten dem Vorstand an: Oberregierungsrat Paetow, Herr Geo Becker und der Landwirt Johannes Depken.

Der Vorstand fand eine Situation vor, in dem große Teile des Geländes Am Lehester Deich verpachtet waren. Diese Verträge wurden verlängert. Der landwirtschaftliche Betrieb des Mariannenhofs wurde weitergeführt; es wurden ein Hofmeier und weitere Arbeiter beschäftigt, deren Verträge ebenfalls verlängert wurden. Zum Teil wurden sie mit Naturalien bezahlt. Rentenzahlungen wurden für die älteren Arbeiter und Arbeiterinnen vereinbart.

Bereits zu Beginn der 20er Jahre wurde der Mariannenhof von Kindern aus der benachbarten Lungenheilanstalt Holdheim in einem separaten Haus genutzt. Für den im Vermächtnis festgelegten Zweck der Stiftung, „eine Erholungsstätte zur Pflege erholungsbedürftiger, aber nicht kranker Kinder, ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses“ zu schaffen, plante der Vorstand geeignete Gebäude anzuschaffen. Es wurden 1922 drei Baracken samt Einrichtung aus einem Gefangenenlager bei Kassel über das Reichsschatzamt gekauft und auf dem Gelände aufgestellt. Vom Vorstand dazu beauftragt wurde Oberbaurat Elfers. Für seine Dienste gegenüber der Stiftung wurde er mit 1000 Zigarren geehrt.

So konnte der Betrieb im Sommer 1922 aufgenommen werden, zunächst nur für Jungen. Die Nutzung der Gebäude war nur im Sommerhalbjahr möglich da sie nicht winterfest waren. Die Leitung der Erholungsstätte wurde an „Schwester Emma“ übertragen. Sie hat die Pflege-und Wirtschaftskräfte eingestellt. Die Auswahl der Kinder erfolgte über die Abteilung Landaufenthalt für Stadtkinder im Jugendamt, namentlich Herrn Karrenberg.

Der Vorstand verkaufte 1922 sowohl das Wohnhaus der Familie Wendt in der Schwachhauser Heerstr als auch eine Reihe anderer Immobilien und Grundstücke. Das erworbene Kapital hat durch die zunehmende Inflation ihren Wert verloren und das ursprüngliche Kapital der Stiftung schwand dramatisch.

Im Jahr 1925 konnten dennoch 240 Kinder auf dem Mariannenhof aufgenommen werden.

Herr Heinrich Oesterhaus, Direktor der Cigarrenfabrik Hermann Otto Wendt, wurde 1927 zum Rechnungsführer der Stiftung ernannt.