Die 30er Jahre

In den 30er Jahren geriet die Hans-Wendt-Stiftung in finanzielle Schwierigkeiten: In einer Vorstandsitzung 1935 berichtet Herr Oesterhaus über die wirtschaftliche Situation der Stiftung. Von den 3 Millionen Mark, die ursprünglich in die Stiftung gegeben wurden, ist das Stiftungsvermögen durch die Inflation im Jahre 1923 auf 265.000 Reichsmark zusammengeschmolzen. Erträge durch Verpachtungen und Hypotheken konnten nur geringfügig das Vermögen steigern. Der landwirtschaftliche Betrieb musste mit 3.000 Reichsmark jährlich bezuschusst werden. Der Vorstand beschloss aufgrund dieser Erkenntnis, den landwirtschaftlichen Betrieb nach und nach einzustellen.

Als neues Vorstandsmitglied wurde Dr. Hermann Apelt berufen. Er hatte bis 1933 dem Bremer Senat  angehört, wurde dann wegen seiner Ablehnung der Nationalsozialisten zum Rücktritt gezwungen und aus allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Nach dem Krieg wurde er von Bürgermeister Kaisen zum Senator für Wirtschaft Häfen und Verkehr berufen.

Eine Notiz am Rande: In einem Buch von Ilse Kaisen, die Tochter von Bürgermeister Kaisen, „Unser Leben in Borgfeld“ berichtet sie von den 30er Jahren:

“Ein weiterer Nutzen war das Pachtland, das unser Vater hinzu gepachtet hatte, es gehörte der Hans-Wendt-Stiftung. Der Mariannenhof, bisher mit Baumbestand versehen, war gerodet worden. Die kalten Winter hatten die Not leidenden Menschen dazu gebracht, sich dort mit Feuerholz zu versorgen. So war eines Tages das kleine Wäldchen verschwunden, nur die Baumstümpfe waren noch zu sehen. Dieses Areal wurde in kleinere Ländereien aufgeteilt, und wer von den Siedlern wollte, konnte Land pachten. Das taten wir mit unserem Nachbarn Ramke zusammen.“

Heute eine Pferdeweide – früher verpachtetes Land?

Die Satzung der Stiftung musste ergänzt werden, weil die Gemeinnützigkeit seitens des Finanzamtes 1935 bestritten wurde. Es musste festgelegt werden wie das Vermögen nach einer evtl. Auflösung verwendet werden soll. Der neue Text:

„Sollte der Zweck der Stiftung, nämlich die Pflege erholungsbedürftiger aber nicht kranker Kinder, nach dem Ermessen des Vorstandes durch Erhaltung einer Erholungsstätte nicht mehr in befriedigender Weise erfüllt werden können, so bleibt es dem Vorstande überlassen, anderweitige Maßnahmen zur Erreichung dieses Zweckes durchzuführen. Ebenso sollen im Falle einer Auflösung der Stiftung das Vermögen und seine Einkünfte dauernd weiter zur Pflege erholungsbedürftiger nicht kranker Kinder, und zwar tunlichst im Sinne des Stifters, verwendet werden. Die dieser halb zu fassenden Beschlüsse des Vorstandes bedürfen der Genehmigung des Senats.“

In einer Vorstandssitzung am 27.Juni 1939 kündigt Herr Bürgermeister a.D. Hermann Hildebrandt an, dass er aus dem Vorstand, die er seit 1920 vorsteht, ausscheiden will. Den ersten Vorsitz übernimmt Dr. Degener-Grischow.  Herr Oesterhaus verbleibt Rechnungsführer.

Das großzügige Gelände der Stiftung heute. Teile davon gehörten früher zum Pachtland, von dem Ilse Kaisen in ihrem Buch „Unser Leben in Borgfeld“ berichtete.